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Encaustic einfach erklärt

Die Geschichte der «Encaustic» (Quelle R&F Paints, Wikipedia)


Wachs ist durch seine Beschaffenheit ein hervorragender Konservierungsstoff für viele Materialien. Schon die Griechen verwendeten Pech und Wachs um ihre Schiffe wetterfest zu machen. Durch pigmentieren des Wachses wurden sowohl Handels- als auch Kriegsschiffe verziert. Die Verwendung eines rudimentären Enkaustiktums war in der klassischen Periode (500-323 v.Chr.) eine etablierte Methode.

Es wird vermutet, dass in jener Epoche die rohe Farbe, die mit Teerbürsten auf die Schiffe aufgetragen wurde, für die Kunst des Malens auf Platten verfeinert wurde.


Enkaustik und Tempera

Enkaustik auf Tafeln konkurrierte anfänglich mit dem der Tempera in den frühesten bekannten tragbaren Staffeleien. Tempera war ein schnelles und günstigeres Verfahren. Enkaustik dagegen war eine langsamere Technik, wobei die Farbe reliefartig aufgebaut wird. Dabei verleiht das Wachs den Pigmenten einen reichhaltigen optischen Effekt. Diese ganz speziellen Eigenschaften machten das Werk verblüffend lebendig. Ein weiterer Vorteil gegenüber dem Tempera, welches sehr anfällig für Feuchtigkeit war, ist die weit höhere Haltbarkeit. Plinius weist auf mehrere hundert Jahre alte Gemälde hin, die sich im Besitz römischer Aristokraten seiner Zeit befanden.


Die Fayum-Portraits

Die bekanntesten Mumienportraits auf Holztafeln stammen aus der Region Fayum in Ägypten und dürften aus dem 1. Jahrhundert vor und bis ins 1. nach Christus stammen. Nach der Eroberung Ägyptens durch Alexander, liessen sich viele Griechen in der Region nieder. Später kam dann auch noch der römische Einfluss dazu. Die Malereien wurden meist auf Holztafeln – seltener auch direkt auf Mumienleinwand – aufgetragen. Die Holzplatten wurden aus hochwertigen, importierten Hartholzsorten gefertigt und anschliessend poliert. Die Bilder in der Enkaustik-Technik wirken durch ein Nebeneinander von leuchtenden und satten Farben sehr tief und impressionistisch. Viele dieser Stücke haben bis in unsere Zeit überlebt und ihre Farbe wirkt nach wie vor so frisch, wie jedes erst kürzlich fertiggestellte Werk.

Die lange Periode des wirtschaftlichen und kulturellen Niedergangs des römischen Reiches führte auch zu kulturellen Veränderungen und leider dazu, dass die Enkaustik nicht mehr angewendet wurde und in Vergessenheit geriet. Sie wurde durch Tempera ersetzt, die günstiger, schneller und bedeutend weniger anstrengend war.


Die Auferstehung

Im 18. Jahrhundert kam es dann zum Revival, als Archäologen die verschütteten Städte Pompeji und Herculaneum freilegten und Antiquare die Techniken der antiken Künstler wieder entdeckten. Im folgenden Jahrhundert wurde die Enkaustik weiter erforscht, mit dem Hintergrund, das Problem mit der Feuchtigkeit zu lösen, mit dem Wandmaler im Norden konfrontiert waren. Obwohl die Methode nicht sehr verbreitet

war, gab es doch erstaunliche Erfolge, wie John La Farges Wandgemälde für die Trinity Church in Boston beweist.


Der Durchbruch

Mit der Erfindung von tragbaren elektrischen Heizgeräten im frühen 20. Jahrhundert wurde die Enkaustik immer breiter anwendbar. Zahlreiche Künstler wurden begannen damit zu experimentieren und entwickelten individuelle Stile. Robert Delaunay, Antoine Pevesner, Diego Rivera, Rifka Angel, Karl Zerbe und Victor Brauner waren frühe Vertreter der wiederbelebten Technik.

Alfonso Ossorio, Jasper Johns, Lynda Benglis, Robert Morris, Nancy Graves, Mia Westerlund Roosen und Robert Rauschenberg sind prominente Künstler, die der Enkaustik zu einem modernen und interdisziplinären Auftritt verhalfen. Immer mehr bekannte Kunstschaffende verwenden nun ebenfalls diese wunderbaren Materialien und Techniken und tragen zu deren steigernden Popularität bei.



Skulpturen und Druckgrafik

In den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts wurde Enkaustik schliesslich kommerziell verfügbar. In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts kam es zu einer weiteren Expansion der Enkaustikmalerei durch die zahlreichen Farben von R&F Paint und Enkaustikos die nun zur Verfügung stehen.

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© 2019 by Ursi Lysser